Matthias Müller will nicht „Neonazi“ genannt werden
Presseerklärung des antifa-ak an der Uni Heidelberg vom 30.11.2006
Antifaschistischer Arbeitskreis an der Uni Heidelberg
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Am heutigen Donnerstag, den 30. November 2006, wurde ein Antifaschist in
einem Berufungsverfahren vom Heidelberger Landgericht zu einer
Geldstrafe auf Bewährung verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen im Sommer
2005 Plakate öffentlich angebracht zu haben auf denen der damals in
Heidelberg studierende Matthias Müller angeblich zu unrecht als
„Neonazi“ bezeichnet worden sei. Das auf dem Plakat abgebildete Foto
zeigte ihn als Teilnehmer an einem Neonaziaufmarsch von NPD und freien
Kameradschaften am 1. Mai 2005 in Frankenthal (Pfalz).
In erster Instanz war festgestellt worden, dass die Bezeichnung Müllers
als „Neonazi“ — angesichts der Tatsachen — vom Recht auf freie
Meinungsäußerung gedeckt ist. Diese Entscheidung hob nun das Landgericht
auf und verurteilte den Angeklagten zusätzlich zum „Verstoß gegen das
Kunsturheberrecht“ auch wegen „Beleidigung“.
Bereits zu Beginn des Prozesses machte die Richterin ihre
Voreingenommenheit dadurch deutlich, dass sie der Berufung „keine
Aussicht auf Erfolg“ einräumte. Entsprechend unterband sie im weiteren
Verlauf immer wieder die Zeugenbefragung des Verteidigers und verwarf
sämtliche Beweisanträge, die dazu hätten beitragen können, Müllers
rechtsextremistische Aktivitäten zu belegen.
Im Urteilspruch folgte das Gericht den Anträgen von Müllers Anwalt Björn
Clemens, der diesen als Nebenkläger vertrat, und erkannte seine
Schadensersatzansprüche an. Dieser war in seinem Plädoyer im „Junge
Freiheit“-Jargon gegen die linke „Medienhetze“ zu Felde gezogen. So
meinte er der Begriff „Neonazi“ sei „ein Kampfbegriff, der
ausschließlich dazu benutzt wird eine Person gesellschaftlich zu
vernichten - was im Mittelalter Ketzer hieß, heißt heute Neonazi“.
Dies verwundert nicht, ist Müllers Anwalt doch stellvertretender
Bundesvorsitzender der Republikaner. Clemens, der beim kommenden
Bundesparteitag im Dezember 2006 gegen den amtierenden
Bundesvorsitzenden Rolf Schlierer um das Amt des Bundesvorsitzenden
antritt, steht für den rechten Flügel der Republikaner. So will er diese
näher an die NPD und DVU heranführen und mit diesen kooperieren. Clemens
ist wie sein Mandant bei der neonazistischen Jungen Landsmannschaft
Ostpreußen (JLO), sowie bei einer rechtsextremen Burschenschaft
(Rheinfranken zu Marburg) aktiv. Er ist ein Studienfreund von Müllers
Bundesbruder, dem sächsischen NPD-Abgeordneten Jürgen Gansel, den er
auch schon vor Gericht verteidigte. Zudem verbindet ihn mit Müller, dass
er ebenfalls Autor im Rechtsaußen-Blatt „Junge Freiheit“ ist.
Dass nach Auffassung des Landgerichts Müller nicht als „Neonazi“
bezeichnet werden darf, verwundert um so mehr, als seit dem
erstinstanzlichen Urteil neue Fakten hinzugekommen sind, die diese
Bezeichnung rechtfertigen. Nach seiner „Suspendierung“ bei der
neofaschistischen Heidelberger Burschenschaft Normannia Ende 2004
wechselt Müller 2005 zur als NPD-Kaderschmiede bekannten Burschenschaft
Dresdensia-Rugia in Gießen. Müller lässt nicht nur als Autor in seinen
Artikeln für das Rechtsaußen-Blatt „Junge Freiheit“ seine offenkundige
Verehrung für NPD (und DVU) erkennen, sondern nimmt im Juli 2005 an
einem mehrtägigen Schulungsseminar des NPD-think tanks „Dresdner Schule“
teil (vgl. ZDF-Magazin Frontal21).
Bereits in seiner Zeit als Mitglied der Burschenschaft Normannia war
Müller durch seine neofaschistische Gesinnung aufgefallen. So
organisierte er als Sprecher der Normannia im Sommersemester 2004 ein
Tagesseminar auf deren Haus, zu welchem er mit Michael Nier, Gerhoch
Reisegger und Karl Richter drei hochkarätige Rechtsextremisten
eingeladen hatte. Das Seminar musste schließlich aufgrund massiver
öffentlicher Proteste offiziell abgesagt werden.
Dabei macht die Heidelberger Normannia wie ihre Schwesterburschenschaft
Dresdensia-Rugia (beide im Dachverband der „Deutschen Burschenschaft“
organisiert) auch ohne Müller durch ihre neofaschistische Gesinnung von
sich Reden. Neben einer langen Kontinuität, was rechtsextreme
Positionierungen und das regelmäßige auftreten rechter bis
rechtsextremer Prominenz betrifft, wird dies v.a. an den zahlreichen
personellen Überschneidungen mit neofaschistischen Organisationen deutlich.
So sind neben Müller mindestens zwei weitere Normannen Mitglied der
neonazistsichen JLO: Christian Schaar, der ab 1999 Bundesvorsitzender
der JLO ist und Markus Ksienzky, der Schriftwart der Normannia im
Sommersemester 2005. Müller selbst ist Vorsitzender des Regionalverbands
Süd-West in der JLO.
Weitere Mitglieder der Normannia sind beispielsweise bei den
„Republikanern“ oder bei der „Deutschland-Bewegung“ anzutreffen.
Weitere Informationen zur Normannia und zu Müller finden sich bspw. in
unserer Broschüre „Heidelberg, Du Feine“. Wir stehen ihnen für Rückfragen unter der angegebenen
Adresse zur Verfügung.
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