Freiburg, grüne Polizeiburg
Communiqué vom 04.08.06
In den Morgenstunden des 1. August wurde der Wagenplatz der Straßenpunx im
Freiburger Gewerbegebiet Nord durch Sondereinheiten der Polizei geräumt. Die
Stadt Freiburg hatte beim Amtsgericht eine Räumungsverfügung erwirkt, um die
Schattenparker auf den für sie viel zu kleinen Platz zu zwingen und so die
politischen Gruppen gegeneinander auszuspielen. Auf Anordnung des
Amtsgerichts wurde wie schon 2001 und 2003 das gesamte Eigentum der
Straßenpunx — auch ihr persönlicher Besitz wie Fotos und Briefe — mitsamt der
Wägen auf den Müll geworfen. Den GemeinderätInnen und der Presse wurde von der Stadtverwaltung zugesichert, dass bei der Räumung keine Sachbeschädigung
durch die Polizei begangen worden sei — eine Lüge, wie Fotos und Videos auf
de.indymedia.org beweisen. Mit den Straßenpunx hingegen redete die Stadtverwaltung Klartext: Sie sollten sich über die Beschädigung ihres
Eigentums nicht wundern, denn schließlich hätten sie ja fremdes Eigentum
besetzt. Im persönlichen Gespräch drohte Oberbürgermeister Salomon den
Straßenpunx an, dass sie sofort geräumt würden, sollten sie wieder unter
Brücken schlafen. Die Haltung des grünen Oberbürgermeisters ist mittlerweile
so menschenverachtend, dass er dafür nur noch von der CDU Applaus bekommt.
Sondereinheit bei der RTS
Bereits in unserem Communiqué vom 4. Juli haben wir auf die völlig unnötige
drohende Räumung der Straßenpunx hingewiesen, welche aus unserer Sicht eine
Fortsetzung der Repression des vergangenen Wochenendes darstellt. Am 28. Juli
wurde ein internationales anarchistisches Camp von einem Großaufgebot der
Polizei geräumt.
Das für den 29. Juli geplante Straßenfest wurde durch
martialische Polizeigewalt verhindert. Die Polizei riegelte die gesamte
Innenstadt ab, kesselte stundenlang 300 friedliche DemonstrantInnen und
prügelte mit Knüppeln brutal auf die wehrlosen Menschen ein. Am Ende machten
sich die BeamtInnen auch noch der unterlassenen Hilfeleistung schuldig, als
sie einer an einem krampfartigen Schüttelanfall leidenden, unter Schock
stehenden und gefesselten Demonstrantin in Polizeigewahrsam medizinische
Hilfe verweigerten. In den folgenden Tagen wurden Proteste durch völlig
überzogene Polizeieinsätze unterdrückt. So wurden am 30. Juli 20
DemonstrantInnen von einer Hundertschaft in der Belforstraße gekesselt und am
3. August fünf DemonstrantInnen von dutzenden PolizistInnen in Kampfmontur
begleitet, wobei nach Polizeiangaben ein noch viel größeres Aufgebot im
Hintergrund wartete.
Wir sehen die aktuelle Repression in Freiburg im Zusammenhang mit der
zunehmenden Repression gegen Linke in Baden-Württemberg, auf die wir in
unserem Communiqué vom 17. Mai hingewiesen haben. Seit Jahren versucht die
baden-württembergische Landesregierung, die linke Szene im „Ländle“ zu
zerschlagen und geht systematisch gegen alternative Strukturen vor. Dabei
werden gezielt die Autonomen Zentren als wichtigste Säule der linken
Infrastruktur angegriffen. Es wurden 1999 in Heidelberg und Pforzheim, 2005
in Stuttgart und 2006 in Karlsruhe Autonome Zentren geräumt, so dass jetzt
nur noch in Freiburg und Mannheim selbstverwaltete Zentren existieren. In
Freiburg scheiterte 2004 der Angriff auf die KTS, doch der Mietvertrag läuft
im nächsten Jahr aus. Gleichzeitig kaufen Nazis bundesweit reihenweise
Immobilien und bauen sie zu „Nationalen Zentren“ aus, wie sie es im
baden-württembergischen Hohenberg bereits getan haben. Nur eine starke Linke
kann den Vormarsch der Nazis stoppen!
Antifa Freiburg
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