Die Grenzen der kritischen Solidarität
Begründung der Rücknahme unseres Aufrufs zur Demonstration gegen den Verkauf der städtischen Wohnungen am 1. Juli 2006
Die Initiative „Wohnen ist Menschenrecht“ wird am Samstag, den 1. Juli 2006,
einen Sternmarsch durchführen, um gegen den geplanten Verkauf von 8900
städtischen Wohnugen zu protestieren. Wir hatten in einem eigenen Aufruf ebenfalls zur Teilnahme an der Demonstration aufgefordert, aber auch die Verwendung des Heuschrecken-Symbols kritisiert, das den Protest der Initiative bislang maßgeblich prägt.
Nachdem die Initiative nun mit einem Flugblatt für die Demonstration
mobilisiert, auf dem die Heuschrecken-Symbolik nicht nur weiterhin
verwendet, sondern noch eindeutig nationalistisch verschärft wird, ziehen
wir unseren Aufruf zurück. Die Initiative hat die mehrfach in solidarischer
Absicht geäußerte Kritik (labandavaga.de/stadtbau) offenbar nicht zum Anlass
genommen, den Gehalt der von ihr gebrauchten Symbolik zu reflektieren und
sich somit als kritikresistent erwiesen.
Das Motto, unter das die Initiative ihren Aufruf stellt — „Bürger wehrt
euch“ — erinnert angesichts der Darstellung eines von einer überdimensionalen
Heuschrecke überfallenen Deutschland nicht zufällig an die faschistische
Parole „Deutsche wehrt euch“. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass
Freiburger Nazis ebenfalls zu der Demonstration aufrufen, wenn auch aus
unserer Sicht nur aus taktischem Kalkül.
Obwohl wir den Verkauf der Wohnungen nach wie vor ablehnen, sehen
wir unter diesen Bedingungen keine weitere Grundlage für eine kritische
Solidarität.
Antifa Freiburg
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